News Sekundarschule Grenzstrasse

18.09.2015

«Wir haben uns kennengelernt»

Die beiden Klassen G2a und E3a aus dem Sekundarschulhaus Grenzstrasse haben ihr Schullager ohne Handy verbracht. Die Jugendlichen haben festgestellt, dass ihre Klassen dadurch einen neuen Zusammenhalt gefunden haben.


Bericht & Bild: Tagblatt online 18.09.2015 - Maya Mussilier

Bildlegende: Sie haben die Aktion «Lager ohne Handy» gut gefunden: Nadine Schneider (G2a), Goylain Flückiger (G2a), Justin Imhof (E3a) und Ajla Dzilic (E3a).

Ein bisschen stolz sind sie schon – Goylain Flückiger, Nadine Schneider, Justin Imhof und Ajla Dzilic nicken stellvertretend für ihre Klassen mit den Köpfen. «Zu recht», finden die Lehrerinnen Susanne Landolt und Juliane Baghdady. Die beiden Sekundarklassen G2a und E3a aus dem Schulhaus Grenzstrasse haben unabhängig voneinander den Entschluss gefasst, dass alle Jugendlichen während ihren Schullagern das Handy zu Hause lassen. Jugendliche fünf Tage ohne ihr Handy? Juliane Baghdady schüttelt den Kopf und lacht. «Da haben sogar die Lehrerkollegen zweifelnd gesagt: Du hast aber Mut.» Bedenken bekam auch Susanne Landolt zu hören.

In der Klasse diskutiert

In der dritten Sekundarklasse von Susanne Landolt und Tanja Fohler kam die Idee für ein handyfreies Schullager in der Klasse selbst auf. «Als wir die Lagerregeln diskutierten, habe ich salopp gesagt, lassen wir doch die Handys zu Hause», erzählt Susanne Landolt. «Darauf kamen positive Reaktionen. 90 Prozent der Schüler stimmten für diese Idee.» Dann hätten sie die Eltern informiert und sich deren Einverständnis geholt.

Anders lief es in der Klasse von Juliane Baghdady. «Das Thema Handy war ein Punkt am Elternabend. Die Schüler sind zu oft vom Handy abgelenkt, weshalb beschlossen wurde, dass es am Morgen jeweils abgegeben werden muss. Nur während der grossen Pause dürfen die Schüler ihr Handy benutzen.» Von Elternseite sei dann der Spruch gekommen: «Eigentlich braucht es weder auf dem Schulhausplatz noch im Schullager ein Handy.» Obwohl Eltern und Lehrerin mit grossen Protesten rechneten, brachte Juliane Baghdady diesen Vorschlag am nächsten Morgen in der Klasse vor. «Die ersten Reaktionen fielen wie erwartet aus», sagt die Lehrerin. Sprüche wie «Wir sind doch nicht im Mittelalter» oder «Was wollen uns die Lehrer noch alles vorschreiben» seien gefallen.

«Es war total gut»

Goylain Flückiger gibt unumwunden zu, dass er dem Vorschlag nicht nur skeptisch, sondern total ablehnend gegenüber stand. «Ich habe zuerst gesagt, dass ich bei so etwas nicht mitmachen werde», erzählt er. Trotzdem entschied er sich schliesslich, sein Handy zu Hause zu lassen, und machte dabei eine erstaunliche Feststellung: «Es war total gut. Wir haben zusammen Spiele gemacht, anstatt dass jeder für sich am Handy herumgedrückt hat.» Eine Erfahrung, die für ihn zwar neu war, aber nicht ohne Folgen blieb. «Ich habe jetzt mein Handy viel weniger in der Hand», sagt er stolz. Auch seine Mitschülerin Nadine Schneider hatte zu Beginn Mühe. «Ich dachte, das wird wirklich schlimm.» Auch sie stellt im Nachhinein fest, dass es eine gute Erfahrung war. «Am ersten Tag hat es mir schon gefehlt», gibt sie zu. Aber auch sie findet, dass der Zusammenhalt in der Klasse durch dieses «analoge Lager» stark gewachsen ist. «Jetzt lege ich das Handy öfters mal weg», sagt sie.

Digitalkameras statt Handys

Lehrerin Susanne Landolt sagt: «Am meisten Befürchtungen hatten die Schüler wegen den Fotos. Wir hatten aber anstelle der Handys mehrere Digitalkameras dabei. Die Fotos stehen den Schülern jetzt über das schuleigene System zur Verfügung.» Kurz bevor in ihrer Klasse über die Lagerregeln gesprochen wurde, war ihr Schüler Justin Imhof ohne Handy in Berlin. «Das war eine gute Zeit, deshalb war für mich sofort klar, dass ich auch im Lager darauf verzichten kann», sagt er. Auch in dieser Klasse wurden die Kontakte unter den Schülern enger. «Wir haben uns neu kennengelernt», sagt Justin Imhof. «Vor allem auch die Mädchen, die sonst immer eine Gruppe für sich gewesen sind.»

Auch für Ajla Dzilic war das Lager eine gute Erfahrung. «Ich fand die Idee von Anfang an gut, musste aber zuerst meine Mutter überreden.» Ihre Erfahrung nach dem Lager: «Wenn keiner ein Handy dabei hat, bemerkt man gar nicht, dass etwas fehlt.»