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13.01.2017

«Parteilos – aber nicht meinungslos»

Der designierte Präsident der Volksschulgemeinde, Christoph Kohler (48), spricht im Interview mit der TZ über Familie, den bevorstehenden Umzug in den Thurgau und weshalb er keiner Partei angehört.


Christoph Kohlers erster Eindruck von Amriswil ist gut: «Hier grüsst man sich.» (Bild: Manuel Nagel)

Bericht: Manuel Nagel / Tagblatt online: 13.01.2017

Christoph Kohler, wie hat Ihre Familie reagiert, dass sie vielleicht schon bald vom Solothurnischen in den Thurgau zieht, sollten Sie zum Schulpräsidenten gewählt werden?

Meine Frau unterstützt mich. Das war für mich entscheidend. Hätte sie Sorgen entwickelt, wäre ich nicht zur Verfügung gestanden. Unsere drei Kinder sind schon erwachsen und wohnen ostwärts von uns. Da ergäbe sich auch keine massive Verschlechterung.

Sie besitzen in Egerkingen ein Haus, das Sie wohl verkaufen müssten. Das sind einschneidende Veränderungen.

Das ist so und eine anspruchsvolle Geschichte. Aber Vorfreude und Motivation überwiegen, dieses Amt annehmen zu dürfen, sofern ich gewählt werde. Meine Frau und ich freuen uns riesig.

Sie stammen beide aus der Nordwestschweiz?

Ja, ich selber bin in Obergösgen aufgewachsen. Wir beide sind aber nicht derart geografisch verwurzelt. Zudem lieben wir das Wasser. Der Bodensee ist da natürlich eine Perle.

Was wissen Sie über Amriswil und die Region? Wie war Ihr erster Eindruck?

Mein Eindruck war – und das meine ich nun nicht despektierlich –, Amriswil ist eine Provinzstadt. Ich habe festgestellt, dass man sich auf der Strasse grüsst. Das fiel mir positiv auf.

Blieb es beim Grüssen?

Ich war in einigen Geschäften und machte etwas Small Talk, bin dann auch noch in einem Restaurant an einen Tisch mit drei Männern gesessen und habe mit ihnen geplaudert und gefragt, wie es dem Gewerbe gehe. Sie haben sich durchaus positiv geäussert.

Sie scheinen schnell Kontakt knüpfen zu können. Hier müssen Sie ja auch ein neues Beziehungsnetz aufbauen.

Ein ganz lieber Freund von mir wohnt in Diessenhofen. Wir wären plötzlich viel näher beieinander, würden uns häufiger sehen, könnten abends auch mal mit unseren Hunden laufen gehen.

Kreuzlingen/Konstanz läge da ungefähr in der Mitte.

Konstanz gefällt mir gut. Aber ich habe ja einige Jahre bei Basel an der Berufsschule Muttenz gearbeitet und lag dort immer im Clinch mit Kollegen, die im angrenzenden Ausland einkaufen gegangen sind. Das beschäftigte mich als ehemaligen Touristiker.

Inwiefern war das relevant?

Wir haben ja davon gelebt, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die den Arbeitsplatz in der Schweiz haben. Wir haben eine Verantwortung, die Wertschöpfung im Land zu behalten. Und wenn man die Sache als Schulpräsident anschaut, so ist man darauf angewiesen, dass es ein funktionierendes Gewerbe gibt. Viele unserer Schüler beginnen nach elf Schuljahren hier eine Berufslehre und machen nicht das KV in Konstanz.

Wissen Sie von der Zusammenarbeit zwischen Schule und Amriswiler Gewerbe?

Ich habe den Eindruck, die funktioniert gut, wie etwa mit dem Programm «Lift».

Was haben Sie sonst noch über unsere Schule gehört?

Was ich gehört habe, ist ausschliesslich positiv. Man spricht positiv von der Schule und von Herrn Mendelin. Es ist ein grosser Schuhabdruck – zum Glück habe ich Schuhgrösse 46 – in den ich gegebenenfalls treten darf, doch dieser Abdruck steht auf einem guten Fundament. Das war nebst der Unterstützung meiner Frau das zweite wichtige Kriterium, mich hier zu bewerben.

Das war an Ihrer Schule in Neuendorf nicht der Fall.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich dort eine Schule mit grossen Schwierigkeiten angetroffen habe. Ich hatte den Auftrag, diese Schule wieder auf Vordermann zu bringen und musste in kürzester Zeit massive Krisen bewältigen. Ich habe mir geschworen, nie wieder eine dermassen belastete Schule zu übernehmen.

Sie sehen sich also nicht als Feuerwehrmann. Sind Sie also eher ein Verwalter?

Nein, ich bin kein Verwalter. Das habe ich auch beim Assessment in jedem Gespräch gesagt.

Wo wollen Sie denn in einer Schule, die gut aufgestellt ist, Ihren Stempel aufdrücken?

Es gibt Themen, die uns in den kommenden Jahren beschäftigen werden. Allen voran die Einführung des Lehrplanes 21. Damit werden wir nicht zwei Jahre leben, sondern mindestens zwei Generationen. Das ist ein Paradigmenwechsel, das schleckt keine Geiss weg. Ich muss gar keine Sachen erfinden, wo ich meinen Stempel aufdrücken kann.

Sie sind parteilos. Wo sind Sie politisch einzuordnen?

Ich bin parteilos, aber nicht meinungslos. Ich kann meine bürgerliche Herkunft nicht wegleugnen, fühle mich aber in der Bildungspolitik eher der SP nahe, bei Umweltaspekten den Grünliberalen.

Mit 48 Jahren machen Sie nun einen radikalen Schnitt. Wieso tun Sie sich das an?

Grundsätzlich tue ich mir nichts an, wo ich das Gefühl habe, es tue mir nicht gut.

Sie müssen sich aber einer Volkswahl stellen, sind stark im Fokus und nach vier Jahren droht allenfalls die Abwahl.

Ich bin eine sehr entspannte Person, die fest im Leben steht mit einem reichen Fundus an Erfahrungen. Ich studiere nicht herum, was in vier Jahren sein könnte.

Sie sind einziger Kandidat, der aber von allen Parteien unterstützt wird. Was sagen Sie den kritischen Stimmen, die finden, man habe ja keine Auswahl? Jenen, die wegen der Vorkommnisse an Ihrer letzten Schule Zweifel haben?

Ich würde ihnen sagen, wählt diesen Mann, gebt ihm eine Chance, beobachtet ihn kritisch. Schaut hin, was er macht und wie er es macht – und beurteilt ihn aufgrund seiner Arbeit in vier Jahren.

 

Wahlpodium

mit Christoph Kohler und sämtlichen zehn Kandidatinnen und Kandidaten für die Schulbehörde.
Montag, 16. Januar, 20.00 Uhr, Kulturforum, Bahnhofstrasse 22.