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09.10.2026

Nicht nur strategisch günstig, sondern auch preislich

Die Schule erwirbt die Liegenschaft unmittelbar neben dem Kindergarten Park in Amriswil für 1,2 Millionen Franken.


Die Liegenschaft Winkelriedstrasse 3 (links unten) befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Kindergarten Park (rechts) im Pärkli. Bild: zvg

Bericht: Thurgauer Zeitung online: 9.10.2026 / Manuel Nagel

Auf den ersten Blick mag es seltsam erscheinen, dass die Volksschulgemeinde (VSG) Amriswil-Hefenhofen-Sommeri eine Liegenschaft im Stadtzentrum erwirbt, die nicht in der öffentlichen Zone liegt und daher auch nicht mit einem Schulhaus bebaut werden kann. Und das in einer Zeit, in der die Schule wegen zweier vom Volk abgelehnten Bauprojekte drei Millionen Franken ans Bein streichen muss. Bei näherer Betrachtung könnte sich der Kauf des Hauses an der Winkelriedstrasse 3 als cleverer Schachzug erweisen. Doch dass es dazu kam, brauchte es auch etwas Wohlwollen des Verkäufers, für den offensichtlich bei diesem Geschäft die Gewinnmaximierung nicht im Vordergrund stand.

 

 

Grundsatz: Lage, Lage, Lage

Beurteilt man den Wert einer Immobilie, so hört man oft den Grundsatz «Lage, Lage, Lage». Die kürzlich erworbene Liegenschaft auf der Parzelle 949 grenzt unmittelbar an die lang gezogene Parzelle 314, auf der sich das Pärkli zwischen Säntis- und Winkelriedstrasse befindet. Die Pärkli-Parzelle ist ebenfalls im Besitz der VSG, und dort liegt der Kindergarten Park.

Gerade mit Blick auf das vom Volk abgelehnte Neubauprojekt in Hemmerswil könnte der jetzige Kauf wichtig sein, weil sich – eine Umzonung vorausgesetzt – der VSG die Möglichkeit bietet, ein neues Schulzentrum mitten in der Stadt zu planen. Denn einer der Kritikpunkte aus den Reihen der Gegnerschaft bei der Hemmerswil-Abstimmung war, dass es nicht mehr Schulraum an der Peripherie, sondern im Zentrum benötige. Dafür hat nun die Schulbehörde mit diesem Kaufentscheid eine erste Weiche gestellt.

Darauf angesprochen, sagt Schulpräsident Michael Stäheli nur, dass bislang noch nichts Konkretes geplant sei, der Kauf der Liegenschaft aber eine günstige Gelegenheit gewesen sei und damit Schule und Behörde mehr Optionen erhielten.

Nicht an Meistbietenden

Günstig von der Lage her auf jeden Fall. Und vom Preis? «Wir haben knapp 1,2 Millionen Franken bezahlt», sagt Kilian Moser, Leiter Liegenschaften der VSG. Auffällig ist, dass die 1,2 Millionen Franken genau dem Betrag entsprechen, über den die Behörde verfügen kann, ohne dass sie den Kauf an die Urne bringen muss. Bei den Verhandlungen mit den Verkäufern habe man diesen Umstand eingebracht, obwohl der Wert der Liegenschaft Winkelriedstrasse 3 gemäss einer Schätzung rund eineinhalb Millionen betrage, sagt Moser und betont: «Diese Gespräche sind sehr angenehm gewesen und die Besitzer wollten an die VSG und nicht an den Meistbietenden verkaufen.»

Für die Schule ein Glücksfall, denn unlängst hatte sich neben der Turnhalle Freiestrasse ebenfalls eine Kaufmöglichkeit geboten, jedoch über der 1,2-Millionen-Grenze. Dem Verkäufer dauerte das Prozedere mit Volksabstimmung aber zu lange. Und er wollte nicht bei einem Volksnein Zeit und Geld verlieren. So kam das Geschäft damals nicht zustande, obwohl es für die Schulraumentwicklung wichtig gewesen wäre.

Dieses Mal hat der Kauf geklappt – und beschert der VSG jeden Monat Mieteinnahmen. Denn vorerst bleiben sowohl der Coiffeursalon als auch die Bewohner des Mehrfamilienhauses dort. Kurzfristig braucht die Schule den Platz noch nicht.