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Ein Kandidat mit Vergangenheit
Christoph Kohler bewirbt sich um das Amt des Schulpräsidenten. Er wehrt sich gegen die anonymen Vorwürfe von früheren Mitarbeitern. Sein ehemaliger Chef sagt, er sei mit speziellen Herausforderungen konfrontiert gewesen.
Bericht Tagblatt: 27.01.2017, Ida Sandl
Sie haben ihm Fragen gestellt. Viele Fragen, kritische Fragen. Er habe sie alle schlüssig beantwortet und ihre Bedenken zerstreut. «Er hat uns überzeugt», sagt Markus Mendelin, Noch-Schulpräsident von Amriswil, der sich eigentlich nicht in die Wahl seines Nachfolgers einmischen wollte. Er tut es jetzt aber doch, weil er nicht will, dass Christoph Kohler verunglimpft wird.
Kohler, 48 Jahre, ist der Kandidat, den Interpartei und Schulbehörde als Schulpräsident vorschlagen. Er wurde vom Personalvermittler Mercuri Urval unter vier Bewerbern ausgewählt. Kohler hat im Assessment als Einziger sehr gute Leistungen erbracht. Er war bis Sommer Direktor der Kreisschule Gäu im Kanton Solothurn. Eine Gesamtschule mit 450 Schülern und mehr als 60 Mitarbeitern.
Dort gab es Probleme, und das ist der heikle Punkt. Ein Teil der Lehrer hat gegen ihn opponiert, ein anonymer Brief mit Vorwürfen wurde geschrieben. 44 von 63 Lehrern haben ihn unterzeichnet, ihre Unterschriften aber bei einem Anwalt deponiert.
Einige Lehrkräfte haben die Anschuldigungen letzte Woche in der TZ wiederholt. Kohler habe ihre Autorität untergraben, sagen sie, er habe unqualifiziertes Personal eingestellt, drohende Aussagen gegenüber Lehrern gemacht, viele Kollegen hätten gekündigt.
Christoph Kohler widerspricht: Er habe weder jemanden eingeschüchtert, noch bedroht. Es sei einfach, anonyme Vorwürfe ohne Beweise zu erheben. Ihm dagegen seien die Hände gebunden, da er der Geheimhaltung unterliege, was das Personelle angeht. Es sei auch nicht er, der neue Schulleiter oder Lehrer einstellen würde, sondern der Schulvorstand oder die jeweilige Schulleitung.
Die Chemie hat nicht gestimmt
Fakt ist, dass es zwischen Kohler und einem Teil der Lehrer Konflikte gab. Kohler begründet es damit, dass die Kreisschule Gäu in einem schlechten Zustand gewesen sei, als er kam. Er habe den Auftrag gehabt, die Schule auf Kurs zu bringen. Andreas Walter ist der Chef des Volksschulamtes Solothurn. 2014, als Kohler sein Amt als Schuldirektor angetreten hat, seien an den Solothurner Schulen grosse Reformvorhaben angestanden. Die Kreisschule Gäu sei zwar im kantonalen Vergleich «gut unterwegs». «An einem Standort hat es aber Funktions- und Betriebsstörungen gegeben.» Da habe man Prozesse näher anschauen müssen. «So etwas geht nicht immer reibungslos über die Bühne», sagt Walter.
Auch Beat Nützi, der Präsident des Vorstandes der Kreisschule Gäu, redet von den vielen Neuerungen, die damals angestanden seien. Dazu ein Schulstandort, an dem das Klima gestört gewesen sei. «Das waren spezielle Herausforderungen.» Christoph Kohler sei sehr engagiert bei der Kreisschule Gäu eingestiegen. Er habe hohe Erwartungen und ambitiöse Ziele gehabt. Vielleicht sei das Tempo für manche etwas zu schnell gewesen. «Die Gesamtkonstellation war unglücklich», sagt Nützi. Die Chemie zwischen dem neuen Schuldirektor und einigen Lehrern habe nicht gestimmt.
Der Vorstand stellte Kohler und der Schulleitung einen externen Coach zur Seite. Eine Praxis, die man auch nach Kohlers Abgang beibehalten habe. In einem Schreiben, das der TZ vorliegt, wundert sich der Coach darüber, dass an der Schule ein «Klima der Angst» herrschen solle, wie es im anonymen Brief heisst. Er habe davon nichts gespürt. Kohler sei ein guter Zuhörer, der Kritik ernst nehme. Er habe als Troubleshooter eine schwierige Aufgabe.
Die Situation eskaliert. Das gegenseitige Vertrauen sei stark beschädigt. Es sei fraglich, ob es wieder gewonnen werden könne, stellt der Coach fest. «Es wird auf den Mann gespielt.» Am 12. Juli 2016 teilt Kohler seinem Chef per Mail mit, dass er zurücktrete. Die Rede ist von «gezieltem Mobbing» gegen ihn. Er habe sich mit Blick auf Lebensqualität und Gesundheit entschlossen, sein Amt niederzulegen. «Er hat selber den Wunsch geäussert, aus dem Arbeitsvertrag auszusteigen», betont Nützi. «Der Vorstand wäre mit ihm weitergefahren.»
