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29.11.2023

Der Turnverein Sommeri fürchtet wegen eines Schulhausneubaus um seine Existenz

Mit dem Projekt für ein neues Schulhaus verliert der STV Sommeri einen Grossteil seiner Infrastruktur. Der Verein schlägt deshalb an der Budgetversammlung der Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri Alarm.


94 Hände sind oben: Bei der Genehmigung des Protokolls herrschte in der Aula der Sekundarschule Egelmoos dieselbe Einstimmigkeit wie auch später bei der Verabschiedung des Budgets 2024.

Bericht Thurgauerzeitung onilne, 29.11.2023 / Manuel Nagel

Für einmal gibt es den Apéro bereits vor der Schulgemeindeversammlung, verbunden mit Stellwänden und Informationen zu den Neubauprojekten der Schule in Hemmerswil, Sonnenberg und Sommeri. Das neue lockere Format lockt am Montagabend immerhin 94 von 9308 Schulbürgerinnen und Schulbürger von Amriswil, Hefenhofen und Sommeri in die Sekundarschule Egelmoos, was 1,0099 Prozent aller Stimmberechtigten entspricht, um über das Budget mit einem Aufwand von mehr als 41,2 Millionen Franken abzustimmen. Jede und jeder der Anwesenden entscheidet also über die Ausgabe von 439’000 Franken. Auch wenn das Schulbudget 2024 einen Verlust von 545’700 Franken vorsieht, gibt es weder Gegenstimmen noch Enthaltungen. Und wären nicht noch zwei Wortmeldungen gewesen, hätte man nun zum richtigen Apéro – nach der Versammlung – übergehen können.

Steuerfuss von 93 Prozent müsste ansteigen

Doch Peter Bachmann, Präsident der SP-Ortspartei, will genauer Bescheid wissen über den Finanzplan. Ob oder wann angesichts der Investitionen in den nächsten Jahren die Steuern erhöht würden. Laut Finanzplan müsste der Steuerfuss im Jahr 2028 auf 102 Prozent ansteigen, damit sich die Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri alles leisten könnte, wenn man bis 2028 die Steuern nicht sukzessive erhöhen würde. Oder sie müsste auf Leistungen verzichten, die sie jetzt erbringt. Etwa die schulergänzende Betreuung (SEB), welche die Schule mitfinanziert, obwohl sie dazu nicht verpflichtet wäre. Doch man sei mit allen drei politischen Gemeinden in einem guten Austausch, sagt Schulpräsident Michael Stäheli-Engel. Severin Gutjahr-Preisig bemerkte als Präsident der Finanzkommission zudem, man versuche selbstverständlich ein jeweils besseres Ergebnis zu erzielen – und so die notwendige Steuererhöhung so lange es geht zu vermeiden.

Turnende Vereine wollen eine Lösung präsentieren

Das zweite Votum kommt von Roman Bärlocher von den Turnenden Vereinen Sommeri. Mit dem Schulhausneubau verliere der STV Sommeri einen Teil seiner Infrastruktur, weil das Gebäude auf dem bestehenden Sportplatz errichtet werde. «Es gibt nur noch einen Hartplatz und eine Spielwiese», sagt Bärlocher. Ein adäquater Ersatz sei nicht vorgesehen. «Wir werden sehr eingeschränkt, und gewisse Disziplinen könnten wir nicht mehr trainieren.» Ausserdem sei der Spielplatz ein Treffpunkt für Familien. Die Sommerer Turnerinnen und Turner unterstreichen die Wichtigkeit ihres Anliegens, indem sie in grosser Anzahl in ihren auffälligen gelb-schwarzen Trainerjacken an der Schulgemeindeversammlung Präsenz markieren.
Während der Versammlung erwähnt Roman Bärlocher, er schätze es, dass man mit der Schulbehörde und der politischen Gemeinde zusammensitzen und einen möglichen Lösungsvorschlag platzieren durfte. Diesen Donnerstag, 30. November, wollen die Turner an der Versammlung der politischen Gemeinde ihren Vorstoss präsentieren. Doch Bärlocher wünscht sich auch Solidarität von der VSG, «dass man uns hier nicht hängen lässt und wir unseren Sport in Sommeri wie bis anhin ausüben können.» Denn Bärlocher macht klar, dass viele Anlässe wie etwa ein UBS-Kids-Cup in Zukunft nicht mehr möglich wären im Dorf. Und über kurz oder lang könnte dies auch die Existenz des STV Sommeri gefährden. «Es gibt hier ja nur noch uns und den Musikverein», sagt Roman Bärlocher.

Für die Gemeinde Sommeri ist der Musikpavillon tabu

Für den Musikverein ist der Neubau kein Problem, denn sein Musikpavillon steht nicht auf dem Areal der Volksschulgemeinde, sondern der politischen Gemeinde. Diese machte der Schulbehörde von Beginn an klar, dass ein Abbruch des in die Jahre gekommenen Pavillons sowie des Rugglihauses und damit eine Landabtretung an die VSG zugunsten des Neubaus nicht infrage kämen, obwohl die Schulbehörde dem MV Sommeri Proberäumlichkeiten im nicht mehr benötigten historischen Schulhaus oder auch im Neubau anbot. Doch für den Musikverein seien das keine valablen Alternativen gewesen, sagt Michael Stäheli. «Der Schule waren somit in dieser Sache die Hände gebunden.»
Der Schulpräsident verhehlt nicht, dass er grosses Verständnis für die Bedenken und das Anliegen des STV Sommeri hat. Die Schulbehörde dürfe jedoch nicht den Blick aufs grosse Ganze verlieren. Diese sei dafür zuständig, dass Sommerer Schulkinder ideale Bedingungen vorfänden. Sie sei jedoch nicht für eine geeignete Infrastruktur eines örtlichen Vereins verantwortlich. «Es wäre gefährlich, würde man mit Schulgeldern das Neubauprojekt in Sommeri für den Turnverein vergolden, wenn die Schule die Infrastruktur selbst gar nicht unbedingt benötigt», sagt Michael Stäheli.