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14.02.2017

«Der Raum war uns versprochen»

RÄUCHLISBERG ⋅ Der bevorstehende Verkauf des alten Schulhauses beschäftigt die Dorfbevölkerung. Mittels Petition möchte sie sich Platz für gemeinschaftliche Anlässe sichern.


Interessenten, die das alte Schulhaus in Räuchlisberg haben möchten, gibt es einige. Immerhin thront der grosszügige Bau auf einer Kuppe, der Blick geht über Amriswil zum Bodensee. Eine exklusive Lage, wie sich die Räuchlisberger bewusst sind. Dass das Schulhaus jetzt verkauft werden soll, liegt den Bewohnerinnen und Bewohnern des Dorfes schwer auf dem Magen. «Hier hat alles stattgefunden, was wir als Dorfbevölkerung gemeinsam veranstalteten», sagt Jörg Müller, Käser des Ortes. Das Recht der Einwohner, Raum im Schulhaus für sich zu nutzen, geht auf ein Versprechen zurück, das vor Jahrzehnten gemacht wurde. Genauer beim Zusammenschluss der Primarschulgemeinde Räuchlisberg mit Amriswil, Hagenwil und Oberaach Anfang der 80er-Jahre.

«Es gibt diesen Mythos des versprochenen Raums»

In Räuchlisberg ist man sich einig: Dieses Versprechen ist, auch wenn es nur mündlich erfolgte, bindend. «Wir haben damals unsere vollständig schuldenfreie Schule in das neue Gebilde eingebracht, wie auch noch ein Barvermögen. Andere kamen mit Schulden.» Jörg Müller weiss, dass die Zusage, die Räuchlisberger dürften dafür immer Raum im Schulhaus für Dorfbelange beanspruchen, auch eine Reaktion darauf war, dass die Räuchlisberger einen Zusammenschluss zuerst ablehnten. Vom damaligen Versprechen weiss aber auch die Schulverwaltung. «Es gibt da diesen Mythos», sagt Schulpräsident Mendelin zur Delegation, die mit einer Petition bei ihm vorstellig wird. Mehr als 55 Räuchlisberger Stimmberechtigte haben die Petition unterschrieben. Sie fordern die Schulbehörde dazu auf, das einstige Versprechen beim Verkauf der Liegenschaft mitzuberücksichtigen und dafür zu sorgen, dass die Möglichkeit der Raumnutzung erhalten bleibe.

Der Schulpräsident hat die Petition am vergangenen Freitag zwar entgegengenommen, Hoffnung macht er der kleinen Delegation aus Räuchlisberg aber nicht. «Bis es zur Ausschreibung der drei Schulhäuser in Räuchlisberg und Oberaach gekommen sei, hätten mehrere Anlässe stattgefunden, wie auch eine Volksabstimmung. Nie habe da jemand das Wort ergriffen.

«Die Liegenschaften gehen nicht an Meistbietende»

Markus Mendelin zeigt sich überrascht, dass doch noch eine regelmässige Nachfrage der Dorfbevölkerung nach dem Raum im Schulhaus da ist. Er sei davon ausgegangen, dass kaum mehr ein Bedürfnis vorhanden sei, lasse sich aber gerne eines Besseren belehren», sagt er. Wer unter welchen Bedingungen den Zuschlag für die Liegenschaft bekommt, wird nun innerhalb der Behörde entschieden. «Die Liegenschaften gehen nicht einfach an den Meistbietenden», verspricht der Schulpräsident. Es sei nie im Sinne der Schulbehörde gewesen, die Schulhäuser an Spekulanten zu verkaufen. «Deshalb haben wir von allen Bietenden verlangt, dass sie uns erklären, weshalb sie die Liegenschaft kaufen möchten.» Zwar sollen die Schulhäuser nicht unter Wert abgegeben werden, doch soll es eine gut verträgliche Lösung geben.

Bericht und Bild: Rita Kohn, Tagblatt-Online, 14.02.2017