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Auf dem Prüfstand
Ein Wahlpodium gab Christoph Kohler erstmals Gelegenheit, sich der Öffentlichkeit persönlich vorzustellen. Kritische Fragen blieben dem Kandidaten für das Schulpräsidium dabei nicht erspart.

Podium im Kulturforum Amriswil: TZ-Redaktor Manuel Nagel, Christoph Kohler, Kandidat für das Präsidium in der Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri, und TZ-Redaktorin Rita Kohn. (Bild: Georg Stelzner)
Tagblatt online: 18.01.2017 - Georg Stelzner
Etwas über 100 Personen wollten sich am Montagabend die Gelegenheit nicht entgehen lassen, Christoph Kohler live zu erleben. Der parteilose Kandidat für die Nachfolge von Schulpräsident Markus Mendelin stellte sich im Kulturforum den Fragen von Rita Kohn und Manuel Nagel aus der Redaktion der Thurgauer Zeitung. Im zweiten Teil der Veranstaltung konnte sich das Publikum direkt an den 48-Jährigen aus Egerkingen wenden.
Kohler betonte eingangs seine grosse Erfahrung im Umgang mit jungen Menschen. Der Zeit des Übergangs von der Schule ins Berufsleben messe er grosse Bedeutung bei, sagte Kohler. Für die freiwerdende Stelle in Amriswil habe er sich nicht zuletzt aufgrund des hervorragenden Rufs der hiesigen Schule beworben. Alle Leute, mit denen er gesprochen habe, hätten sich positiv über das Amriswiler Schulwesen geäussert. Eine Übersiedlung in den Oberthurgau wäre für ihn in keiner Hinsicht ein Problem.
Kritik an der Tätigkeit am letzten Arbeitsplatz
Zu Beginn wurde der Kandidat von Rita Kohn mit Vorwürfen konfrontiert, welche an Kohlers letzter Arbeitsstelle im Kanton Solothurn erhoben wurden. Dort hatten sich zwei Drittel der Lehrer über Kohlers Führungsstil als Schuldirektor beklagt. Kohler verwies darauf, dass er sein dortiges Amt mit dem Auftrag angetreten habe, eine unter gravierenden Mängeln leidende Schule zu sanieren. Einer Schule des Zweckverbandes sei im Rahmen einer Evaluation eine massive Störung der Funktionsfähigkeit attestiert worden. Zwei andere Schulen seien Gefahr gelaufen, das gleiche Schicksal zu erleiden. «Es waren einschneidende Massnahmen nötig, an denen nicht alle Freude hatten», versuchte Kohler sein Handeln zu erklären. Auf allen Ebenen habe es Handlungsbedarf gegeben, betonte er.
Laut Kohler hat sich die Auseinandersetzung in der Folge zusehends von der sachlichen auf die persönliche Ebene verlagert. Es habe eine Fokussierung auf seine Person stattgefunden. «Die Situation war am Ende derart verfahren, dass ich in der Fortsetzung meiner Tätigkeit keinen Sinn mehr sah», erläuterte Kohler. Die Freistellung sei auf seinen eigenen Wunsch hin erfolgt.
Von Manuel Nagel um eine Einschätzung der eignen Person gebeten, beschrieb sich Kohler als offenen Menschen, der auf andere zugehen könne: «Das ist eine meiner Stärken.» Hinsichtlich seiner weltanschaulichen Positionierung äusserte sich Kohler differenziert. Er entstamme einem bürgerlich-liberalen Elternhaus und habe auch eine liberale Grundgesinnung, sympathisiere in der Bildungspolitik aber mit den Sozialdemokraten und bei Umweltfragen mit den Grünen. «Ich bin kein Parteipolitiker», fasste er zusammen. Keiner politischen Partei anzugehören, könnte für die Funktion des Schulpräsidenten ein Vorteil sein, mutmasste der Kandidat.
Kohler beteuerte, dass er mit den Steuergeldern vorsichtig umgehen würde. «Ich bin jemand, der bei Projekten nachfragt, welche Vorteile sie haben, und genau wissen möchte, was sie kosten.»
Direkt, konsensorientiert und friedliebend
Kohler gab sich als Verfechter einer transparenten Kommunikation sowie eines guten Kontakts mit dem Gewerbe zu erkennen. Es sei ihm ein Anliegen, Lehrern und Schülern bestmögliche Rahmenbedingungen bieten zu können. Der Kandidat räumte jedoch ein, sich mit Detailfragen über die Verhältnisse in Amriswil noch nicht befasst zu haben.
Von einem Veranstaltungsbesucher nach seinem Führungsstil befragt, meinte Kohler, dass er «eine direkte Person und ein guter Zuhörer» sei. Er charakterisierte sich als konsensorientiert und friedliebend. «Ich habe keine Berührungsängste und scheue mich nicht, etwas anzusprechen.» Er habe nichts zu verbergen, versicherte er in Anspielung auf seine ins Kreuzfeuer der Kritik geratene Tätigkeit als Schuldirektor im Kanton Solothurn.